Brioche-Teig (Grundrezepte nach Hamelman / Lenôtre)
Dachbodenfund: Zwei Brioche-Backformen… Die hat mir, nebst beigelegtem Rezept, vor 35 Jahren mein Zivildienstkollege Axel geschenkt, und ich habe sie kein einziges Mal verwendet, da ich es als junger Mensch viel zu aufwändig fand, eine halbe Stunde in die Herstellung eines Teiges zu investieren, der dann auch noch über Nacht ruhen und nach dem Weiterverarbeiten mehrere Stunden gehen muß.
Lutz hat schon einmal Brioche-Rezepte von Jeffrey Hamelman und Richard Bertinet verglichen und im Endergebnis keinen Unterschied festgestellt. Also habe ich mich für das Hamelman-Rezept entschieden, um dieses wiederum mit dem stark abweichenden Rezept von Gaston Lenôtre zu vergleichen, dem „König der Feinbäcker“. Er gilt als grundlegender Erneuerer des Konditoreiwesens und hat in seiner „École Lenôtre“ in der Nähe von Paris mehrere Generationen von Feinbäckern ausgebildet. Außerdem hat er das Backwerk von belastendem Fett und Zucker befreit – umso erstaunlicher der hohe Butteranteil in seinen Brioches. Womit wir bei den Unterschieden der Rezepte wären.
Lenôtre verwendet 60 Prozent mehr Butter und nur halb so viel Zucker, als Hamelman, außerdem ausschließlich Auszugsmehl (in Deutschland: Type 405), während Hamelman überwiegend 1050er Mehl verwendet. Während in Hamelmans Rezept alle Zutaten möglichst kühl sein müssen, sollten sie sich bei Lenôtre auf Zimmertemperatur befinden. Auch die Zubereitung der Rezepte unterscheidet sich deutlich.
Links: Lenôtre. Rechts: Hamelman
Verständlicherweise sind Lenôtres Brioches wesentlich heller. Zunächst schmecken Hamelmans Brioches weit aromatischer, doch letztlich ist der Geschmack von Lenôtres Brioches subtiler, buttriger, eleganter. Die Krume bei Lenôtre ist etwas lockerer, das Mundgefühl weicher, während Hamelmans Brioches etwas rustikaler daherkommen. Die Formen der fertigen Backwerke sind beim Hamelman-Teig kalkulierbarer, während die Brioches von Lenôtre teils ziemlich deformiert aus dem Ofen kamen: Da ist die obere Kugel der Brioche parisienne seitlich abgerutscht, und die Brioche bordelaise wurde auch recht unregelmäßig.
Fazit: Für Brioches zum Tunken in Kaffee sowie süße, gefüllte Brioches würde ich das Lenôtre-Rezept bevorzugen, für etwas herzhaftere Frühstücke das Rezept von Hamelman.
Normalerweise gebe ich die Zutatenmengen immer für 1 kg fertiger Backware an, diesmal habe ich sie auf jeweils 1 kg Teiggewicht umgerechnet, da in den weiterführenden Rezepten jeweils die benötigte Teigmenge angegeben wird. Außerdem verliert der Teigling durch das Backen allenfalls etwa 5% Gewicht.
Brioches nach Jeffrey Hamelman
Gesamtzutaten (für ca. 1 kg Teig)
- 42 g Wasser
- 22 g Hefe
- 11 g Salz
- 53 g Zucker
- 215 g Eier (4 mittelgroße)
- 100 g Weizenmehl 550
- 340 g Weizenmehl 1050
- 220 g Butter
Zubereitung
Die Zutaten sollten kühl sein. Wasser, Hefe, Eier, Salz, Zucker und die Mehle vermengen und 10 Minuten lang zu einem homogenen Teig kneten. Währenddessen die kalte Butter zwischen Frischhaltefolie mit dem Nudelholz flach rollen, um sie geschmeidig zu machen. Nun die Butter nach und nach in Stücken zum Teig geben. 15 Minuten weiterkneten. 1 Stunde Teigruhe.
Jetzt den Teig einmal dehnen und falten und bis zum nächsten Backtag in den Kühlschrank verfrachten, mindestens 12 Stunden, maximal einige Tage.
Brioches nach Gaston Lenôtre
Ich habe das Rezept etwas modifiziert und teilweise etwas dunkleres Mehl verwendet.
Gesamtzutaten (für ca. 1 kg Teig)
- 12 g Milch
- 11,5 g Hefe
- 11,5 Salz
- 23 g Zucker
- 240 g Eier (5 kleinere)
- 75 g Weizenmehl 550
- 310 g Weizenmehl 405
- 345 g Süßrahmbutter
Zubereitung
Alle Zutaten müssen Zimmertemperatur haben. Milch, Hefe, Salz, Zucker und die Mehle bei niedriger Temperatur vermengen, dann 3 Eier auf einmal dazugeben. Einige Minuten weiterkneten, bis der Teig geschmeidig wird. Dann nacheinander die beiden restlichen Eier dazugeben. 15 Minuten langsam weiterkneten. Mittlerweile die Butter zwischen Frischhaltefolie mit den Handballen zu einer etwa 8 mm dicken Platte drücken. Nun die Butterplatte in Stücken nach und nach zum Teig geben und in etwa 5 Minuten unterkneten. Abgedeckt 2 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen.
Nun den Teig abschlagen, d.h. mit leicht bemehlten Händen mehrfach kräftig auf die leicht mehlierte Arbeitsfläche schleudern. Den Teig für 2 Stunden in den Kühlschrank verlagern.
Den Teig nochmals abschlagen und im Kühlschrank mindestens 12 Stunden, maximal drei Tage ruhen lassen. Vor der Verarbeitung den Teig nochmals flachschlagen, um ihn geschmeidig zu machen.
Rezepte als PDF (mit Zeitplan)
Zur Weiterverarbeitung zu neutralen, klassischen Brioches geht's hier.
Zwei Rezepte von Brioches mit kandierten Früchten gibt es hier.




Ich wollte Lenôtre mit Schelling vergleichen . Leider nicht möglich. Beide waren extrem locker und von der Konsistenz her perfekt , der Geschmack ist jedoch dank der Ei-Menge, so unterschiedlich, dass es schwierig ist. Die Männer im Hause sagen Lenôtre!
Es gibt jedoch Männer, die ihre Brioches mit Messer und Gabel essen, damit die Finger nicht fettig werden… 😉
Matthias kannst du bitte erklären, weshalb bei den meisten Briocherezepten – auch dem von Hamelman – die Zutaten kalt sein müssen, nur bei Lenôtre sollen sie Raumtemperatur haben.
Liebe Jutta, Danke für Deine Frage.
Leider kann ich nicht mit Sicherheit erklären, warum die Temperaturen unterschiedlich sein sollen. Ich denke, es liegt daran, daß Lenôtre nur etwa halb so viel Hefe verwendet und man bei den hefelastigeren Rezepten verhindern möchte, daß bereits während der Teigruhe der Teig zu sehr aufgeht. Aber wie gesagt nur eine Vermutung, vielleicht ist es auch einfach eine andere Herangehensweise.
Jedenfalls läßt sich die wärmere Butter bei Lenotre besser unterkneten.
Hallo zusammen, ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen. Ich backe leidenschaftlich gerne und eines meiner Lieblingsbackstücke ist nun das Brioche. Ich habe zwar schon mein eigen abgestimmtes Lieblingsrezept, bin aber immer wieder auf der Suche nach Inspiration. Jedoch kann ich zu der Temperaturthematik noch etwas hinzufügen. Laut Erfahrungsberichten zweier Bäckermeister rechnet man bei der maschinellen Teigbereitung mit einem Temperaturzuwachs von 1°C pro Minute. Daher wurde mir auch von diesen Bäckern eine Zubereitung mit gekühlten Zutaten empfohlen. Ich persönlich bevorzuge allerdings den Umgang mit Zutaten auf Zimmertemperatur und so wenig wie möglich Hefe.
LG und danke für die beiden Rezepte!
Die Brioche nach Lenôtre sind grandios, wahnsinnig buttrig und trotzdem sehr luftig. Sie haben genau die richtige Mischung aus Zucker und Salz, damit sie für mich perfekt schmecken und die Süsse nicht dominiert. Der Teig hat eine gute Struktur, ist allerdings etwas schwierig zum Formen, da er durch die Handwärme weich wird. Die Nanterre-Variante ist deshalb am Einfachsten. Danke Matthias für das tolle Rezept, die detaillierten Beschreibungen der verschiedenen Backvarianten und deine Hilfe.
Danke vielmals, liebe Jutta, das freut mich sehr!