113.581 Seitenaufrufe – dies die aktuelle Zahl, die die Baugeschichte unseres Backhauses seit Juni 2010 bislang erzielt hat. Natürlich sind dort all diejenigen Leser mitgerechnet, die mehrfach oder sogar oftmals geklickt, gelesen, kommentiert haben, und die Bekanntheit von Chefkoch.de, wo wir unsere Geschichte gepostet haben, hat uns sicher auch viele Leser beschert...
Bis heute noch erreichen mich Mails, Anrufe und leibhaftige Besucher, die seinerzeit unseren Bildbericht „live“ mitverfolgt haben – oder auch erst jetzt darauf gestoßen sind. Viele suchen konkrete Ratschläge oder wollen einfach einmal ganz vorsichtig vorfühlen, weil sie ja eigentlich auch schon seit Jahren gerne ein Backhaus hätten, aber es fehlt halt die Zeit, das Geld – und der Gemahl zieht auch nicht so recht mit, wenn es darum geht, Steine herumzuschleppen, wo's doch auf dem Sofa so viel bequemer ist...
Gründe genug also, auf meinem Blog die komplette Geschichte nochmals Revue passieren zu lassen. Hierbei versuche ich, den goldenen Mittelweg zu finden zwischen reiner Bauanleitung und der damaligen, spontanen Berichterstattung. So wie sich also unser Backhaus – zunächst als Idee, dann real – entwickelt hat, werdet Ihr es hier nochmals mitverfolgen können.
Da fließen also immer mal Privata mit hinein, Daniel, mein Nachbars-Bub (inzwischen erwachsen und im Studium), mein Hund Samson (mittlerweile ein alter Herr), außerdem etliche Details, die damals aktuell waren, heute vielleicht überholt, aber womöglich trotzdem noch unterhaltsam oder informativ.
Kapitel 1: Von der Grundidee bis zum fertigen Aushub
[2. Juni 2010]
Ein herzliches Grüßgott aus Bayern!
Seit Jahren träume ich davon, in meinem Garten ein Brotbackhaus zu errichten, doch konnte ich mich aus verschiedenen Gründen nie dazu aufraffen: Würde ich den Ofen dann auch häufig genug benutzen? Lohnen sich die Verausgabung von viel Geld, Arbeitskraft und Platz in einem ohnehin kleinen Garten? Vor allem aber hatte ich nie Lust dazu, dieses Projekt alleine durchzuführen.
Doch dann wollte Daniel – mein 15jähriger Nebenjobber und ganz angetan von meinem kleinen Gartenweiher – noch einen zweiten Weiher in meinem Garten anlegen. Kurz liebäugelte ich mit dieser Idee – doch dann dachte ich mir: Bevor ich einen Zweitweiher baue, greife ich lieber das Projekt Brotbackhaus an. Und Daniel – der schon öfters meine selbstgebackenen Brote probieren durfte – war auch von dieser Idee sehr angetan – ohne jedoch deshalb die Weiheridee ad acta gelegt zu haben.
Da ich im Internet zwar viele nützliche Berichte, Photos und Tips erhalten, doch einen durchgehenden Bericht von der ersten Planung bis zum Brotbacken vermißt habe, will ich in hier alle Interessierte an unserem Bauprojekt „live“ teilhaben lassen. Hier werde ich in Wort und Bild von den Fortschritten berichten, auch wenn sich dieses Brotbackhaus-Tagebuch über lange Zeit, vermutlich sogar bis ins Jahr 2011 hinein, hinziehen wird, und natürlich werde ich getreulich auch von unseren Fehlern berichten, auf daß andere diese vermeiden können.
Der Plan: Die Backfläche soll ca. 70 x 124 cm groß werden, das reicht für ca. 12 Laibe Brot oder entsprechend viele Pizze. Der Backraum wird direkt befeuert, d.h. er wird über mehrere Stunden aufgeheizt, dann werden Glut und Asche entfernt und nach einer Hitzeverteilungspause von einer halben Stunde das Brot gebacken. Um den Ofen herum wird ein Haus gebaut, und zwar vorwiegend aus Natursteinen. Damit greifen wir einen Baustil auf, der hier in der Gegend sehr verbreitet ist. Vor dem Ofen wird es einen Vorraum mit einer Sitzbank geben.
Insgesamt wird das Brotbackhaus eine Länge von 377 cm haben, die Breite wird bei 175 cm liegen, der Vorraum wird 245 cm breit. Wie das Dach gedeckt wird, ist noch offen, doch vermutlich wird es auf Holzschindeln hinauslaufen. Da wir in einem Mietshaus leben, möchten wir den Ofen so anlegen, daß wir ihn bei einem Umzug ggfs. mitnehmen können, deshalb wird der Ofen auf einer Betonplatte errichtet.
Die Kosten: Wir haben uns in den Kopf gesetzt, daß wir 1000 Euro nicht überschreiten möchten – doch schon beim jetzigen Stand ist klar, daß dieser Wunsch illusorisch ist. Dennoch versuchen wir, möglichst viel Material kostenlos oder sehr günstig zu bekommen.
Am teuersten werden Ofentür, Aschekasten und Zugklappe, hier möchten wir keine Kompromisse eingehen. Die Bruchsteine versuchen wir gegen Trinkgelder zu bekommen. Es handelt sich um Abfallprodukte aus Steinbrüchen. Anstatt teurer Schamotte-Steine werden wir alte Vollziegel für den Backraum verwenden. Teuer werden noch Mörtel, Holz für den Dachstuhl und der Dachbelag.
Als Arbeitsgrundlagen machen wir nur einfache Bleistiftskizzen wegen der Maße, zumal sich vieles erst im Laufe der Bauphase ergeben wird, womit detaillierte Pläne hinfällig würden.
Über viele Wochen sind Daniel und ich über Land gefahren, um Abbruchhäuser zu entdecken, haben auch diverse Kies- und Bauschuttgruben aufgesucht, doch ohne Erfolg. Doch dann fuhren wir zu einem großen Abbruchunternehmen, und die nannten uns sofort eine Abbruchstelle, wir dürfen uns bedienen.
Das war unsere Ausbeute: Ca. 250 Vollziegel in verschiedenen Formaten, Gesamtgewicht knapp 1,5 Tonnen:
Bei der Gemeinde haben wir gefragt, ob wir den Ofen an dieser Stelle überhaupt bauen dürfen. Am wichtigsten war dem Bürgermeister, daß unsere Nachbarn mit dem Projekt einverstanden sind, und so konnten wir mit den Arbeiten beginnen.
Der Bezirkskaminkehrer hat uns nicht nur feuerpolizeiliche Hinweise gegeben (z.B. daß der Ofen mindestens 15 Meter vom nächsten Nachbarhaus entfernt sein muß), sondern uns auch einige Steinbacköfen in der Gegend genannt. Die haben wir alle besichtigt (darunter einen uralten, neu renovierten) und uns von den sehr hilfbereiten Ofenbauern Tips geben lassen.
Apropos Tips: Wir sind gänzlich unerfahren im Mauern (vor allem aus Natursteinen), Ofenbauen, Dachstuhlerrichten, Brotbacken im Steinbackofen. Hier können wir jedoch auf viele reizende Nachbarn zurückgreifen: Ein Nachbar ist gelernter Maurer und wird uns einweisen. Ein anderer Nachbar gab uns Hinweise zur Betonplatte und dazu, wie der Ofen ggfs. umgesiedelt werden kann. Und holzofenbrotbackende Menschen, bei denen wir hospitieren können, kennen wir mittlerweile auch so einige.
Zunächst haben wir die Position des Ofens im Garten festgelegt und mit dem Aushub begonnen, wobei uns die Wurzeln der benachbarten Linde viel Schweiß gekostet haben.
Daniel beim Rasenentfernen:
So ist der Stand am 2. Juni 2010:
Am 5. Juni 2010 haben wir den Aushub für das Fundament fertiggestellt - man möchte es kaum glauben, aber insgesamt sind dafür ca. 20 Arbeitsstunden draufgegangen:
Der schmalere Teil im Hintergrund wird der Backraum, vorne der Vorraum.
Herzlich – Hias & Daniel
Fortsetzung folgt...






