Brennnessel-Brot
„Man nehme 1 Würfel Hefe, 400 g Dinkelmehl, 100 g Buchweizenmehl…“ So oder so ähnlich klingen viele Rezepte, die mir liebe Menschen – handschriftlich oder aus Kochzeitschriften kopiert – überreichen, sobald sie erfahren, daß ich Brot backe… Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Bei Verwendung von knapp 8,5 % Hefeanteil, bezogen auf die Mehlmenge, muß man das Brot nicht einmal gehen lassen. Man füllt den Teig einfach in eine Kastenform – und ab geht’s in den nicht vorgeheizten Ofen.
Das obige Rezept jedoch, das mir kürzlich von einer reizenden Dame bei einem Treffen auf der Burg Burghausen überreicht wurde, war Ansporn für mich, endlich mal mein Brennnessel-Brotrezept zu entwickeln, für das ich ohnehin Dinkel und Buchweizen vorgesehen hatte. Wegen Hildegard von Bingen und so… Sehr gesunde „warme“ Brennnesseln, gesunder Urdinkel, gesunder Buchweizen… dazu setze ich als Kontrapunkt zu dem Brennnessel-Geschmack auch noch ebenfalls sehr gesunden Honig ein. 🙂
Die Brennnessel-Brote, die man sonst so – als Brot oder als Rezept – bekommt, lassen allenfalls eine zarte Brennnesselnote erahnen. Ich jedoch wollte – wenn schon, denn schon – das gesamte Geschmacksfeuerwerk der Nessel, welche übrigens zu den „Rosenartigen Gewächsen“ gehört, entfachen. Nach einigen sehr wertvollen Tips von Kochfreunden habe ich mich dazu entschieden, die Brennnessel gleich dreifach einzusetzen: Brennnessel-Saft, ganze Blätter, bei niedriger Temperatur in Honig und Butter angeschwitzt – und, der ganz besondere Clou, Samen der Brennnessel.
Für das Sammeln der Brennnesseln empfehlen sich natürlich Handschuhe – und die Samen, so Ihr sie nicht selbst sammeln wollt, erhaltet Ihr in der Apotheke, in gut sortierten Drogerien oder im Internet.
Gesamtzutaten (für 4 Brote à 250 g = 1 kg Brot)
- 325 g Wasser
- 12 g Anstellgut (Dinkel, ersatzweise Weizen- oder Roggen-Anstellgut)
- 120 g Dinkelmehl Vollkorn
- 365 g Dinkelmehl 630
- 85 g Buchweizenmehl
- 6 g Hefe
- 12 g Salz
- 20 g Butter
- 20 g Honig
- 40 g Sesamsaat
- 8 g Brennnessel-Samen
- 1–1,5 kg Brennnesseln
- Sesam und Brennnessel-Samen zum Bestreuen
Zubereitung
Sauerteig
- 135 g Wasser, handwarm
- 12 g Anstellgut (Dinkel, ersatzweise Weizen- oder Roggen-Anstellgut)
- 120 g Dinkelmehl Vollkorn
Vermengen und 24 Stunden bei Raumtemperatur gären lassen.
Brennnesseln
Die zartesten Blätter von den Stielen zupfen, bis ca. 120 g beisammen sind; zur Seite stellen. Die restlichen Brennnesseln mitsamt den Stielen in der Küchenmaschine zu Mus verarbeiten. Portionsweise in ein feines Sieb geben und mit einem Kochlöffel den Saft auspressen. Es entsteht Saft mit noch etwas feinem Blätterpüree darin. Sollten mehr als die benötigten 235 g Saft / Püree entstehen, auf leichter Flamme einköcheln lassen, bis die Wunschmenge erreicht ist.
In einem Topf Butter und Honig auf niedriger Temperatur schmelzen lassen, die 120 g Blätter dazugeben und unter gelegentlichem Wenden abgedeckt einige Minuten zusammenfallen lassen. Nun ohne Deckel so lange weiter wenden, bis die Flüssigkeit vollständig verdampft ist. Vor der Weiterverarbeitung die Blätter in grobe Stücke schneiden.
Quellstück
Sesamsaat ohne Fett in der Pfanne goldbraun rösten, dann die Brennnessel-Samen dazugeben und kurz mitrösten, bis der aromatische Duft in Eure Nase steigt. In ein Schüsselchen umfüllen, mit 40 g Wasser ablöschen, vermengen und abgedeckt quellen lassen.
Mehlkochstück
- 150 g Wasser
- 30 g Dinkelmehl 630
- 12 g Salz
Mit einem Schneebesen klümpchenfrei verrühren, kurz aufkochen, von der Herdplatte ziehen und 1–2 Minuten weiterrühren. Abgedeckt abkühlen lassen.
Hauptteig
- Sauerteig
- Quellstück
- Mehlkochstück
- 235 g Brennnesselsaft
- 6 g Hefe
- 335 g Dinkelmehl 630
- 85 g Buchweizenmehl
4 Minuten langsam, dann 6 Minuten schnell kneten. Nun bei langsamer Geschwindigkeit die Brennnesseln unterkneten.
Den Teig 45 Minuten ruhen lassen, nach jeweils 15 und 30 Minuten mehrmals dehnen und falten („stretch & fold“).
Den Teig in beliebig viele Teile teilen (ich habe 4 gleich große Stücke abgewogen), vorsichtig rundwirken und abgedeckt 15 Minuten ruhen lassen.
Zu Teigstangen ausrollen, in bemehltem Bäckerleinen, jeweils mit Stofffalten dazwischen, mit dem Schluß nach oben 30 Minuten bei Raumtemperatur gehen lassen. Den Ofen frühzeitig auf 240°C vorheizen.
Die Teiglinge auf ein Blech setzen, eventuelle Mehlreste von den Teiglingen abfegen. Mit einer Spühflasche einsprühen, zunächst mit Brennnesselsamen und dann mit Sesam bestreuen. Einschießen und kräftig schwaden. Nach 5 Minuten entschwaden und 15 Minuten weiterbacken.
Den Ofen ausschalten, die Brote noch 5 Minuten im Ofen nachziehen lassen.
Rezept als PDF (mit Zeitplan)
Von Monika Moehwald-Doelz nachgebacken und äußerst zauberhaft präsentiert. Danke für die Publikationsgenehmigung 🙂






Lieber Matthias,
da ich sehr naturverbunden bin, war es mir eine Freude, am Folgetag zum Brennnesseln sammeln loszuziehen. Denn ich wollte dieses Brennnessel-Brot so schnell wie möglich backen. Heraus kam das pure Geschmackserlebnis und ich kann nur allen empfehlen, es auch zu backen.
Herzlichen Dank für dieses kreative Rezept!!
Vielen Dank, liebe Monika, auch für das wunderschöne Photo.
An „naturverbundenen“ Rezepten findest Du ja auf diesem Blog einige, momentan empfiehlt sich beispielsweise das Holunderblütenbrot…
Liebe Grüße – Matthias
Matthias,
dein Brot ist in Arbeit, vermisse jedoch den Hinweise auf Proteine 😉
Brennnesseln sind die Kinderstube von Insekten (Schmetterlinge, Läuse, Käfer usw.) , die vor Verwendung entfernt werden sollten.
Die Brennnesseln hab ich in eine Schüssel verfrachtet, mit Wasser gefüllt und die die net schwimmen können sind hinüber. Da krabbelten zwar noch zwei Gestalten, hab sie aber erwischt.
Nun müssen sie etwas antrocknen und die Samen derer behandelt werden.. Sind ja noch 12 h bis zur Weiterverarbeitung.
Ja, man muß in der Tat gründlich schauen, aber wie bei allen Rezepten schreibe ich das Selbstverständliche nicht, daß die Zutaten natürlich gereinigt und gesäubert verwendet werden 😉
Ich hatte das Glück, im Wald noch völlig unbefallene Brennnesseln zu finden.
Morgen habe ich frei, mein einziger Tag in der Woche und ich werde losziehen um Brenneseln zusammel um dann endlich dieses mehr als verlockenden Rezept, Brot nach zu backen!
Super Blog mit genialen Rezepten, schade das so wenig ein Kommentar auf deinem Blog hinterlassen, wundert mich sehr!
Viele Grüße sendet,
Jesse-Gabriel aus Berlin
Ein richtiges Abenteuer, dieses Rezept nachzubacken!
Und es hat sich gelohnt…
Vielen Dank,
-p
Das freut mich, Pecas! Ich nehme an, das „Abenteuer“ bestand darin, im Wald mit Machete die Brennnesseln zu sammeln? Herzlich – Matthias
Hehe, das sähe einem ‚Pecas‘ gleich ähnlich, nichtwahr; allerdings finden sich in meinem Fall seit letztem Jahr hie und da Fleckchen ganz absichtsvoll (bislang nur zu Düngezwecken) selbstangesäter Brennnesseln im eigenen Gärtchen, und vielleicht war es das Bombenklima heuer, dass die zum Herbst hin noch einmal richtig fett durchgestartet hatten und ausgesprochen appetitlich aussahen – wobei, wohl angesichts des ausgebliebenen Regens, kaum Saft aus ihnen zu gewinnen war, und so hab‘ ich dann das Schüttwasser mit einem Guss Kombucha auf die erforderliche Menge gebracht… und möglicherweise dadurch bekam der Teig eine noch extremere – definitiv nur noch von *hartgesottenen, d. h. äusserst nervenstarken Abenteurern* bis zum Schluß händelbare – Konsistenz, ähnlich einem dünnen Mörtel.
Das kleine Kunststück, das Ganze doch noch zu Stangerln zu formen, zahlte sich freilich prompt durch den nun wirklich abenteuerlichen Geschmack aus. Und ich fand, man riecht dann auch ein Weilchen leicht abenteuerlich, vielleicht hab‘ ich’s mit dem Verschmausen auch gleich ein bisschen übertrieben…
Alles Gute
-p